AfD-Politiker Tillschneider provoziert mit Rede zum 81. Jahrestag der NS-Befreiung
Maximilian SchmidtAfD-Politiker Tillschneider provoziert mit Rede zum 81. Jahrestag der NS-Befreiung
Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt, hielt eine Rede zum 81. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus. Seine Äußerungen sorgten für Aufsehen, da er die historische Aufarbeitung der Nachkriegszeit kritisierte und eine Neuausrichtung der nationalen Identität forderte.
Tillschneider bezeichnete Deutschlands Umgang mit der Vergangenheit als eine „absurde Schuldkultur“ und eine „eingebildete Kollektivschuld“. Er argumentierte, die Nation habe sich im Nachhinein den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs angeschlossen, um sich der eigenen Verantwortung zu entziehen.
Unter Bezugnahme auf die berühmte Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker aus dem Jahr 1985 bezeichnete Tillschneider diese als eine „geistige Kapitulation“. Stattdessen zitierte er Franz Josef Strauß, der von einem „ewigen Ringen mit der Vergangenheit als einer dauernden Buße“ gesprochen hatte. Der AfD-Politiker forderte eine „normale deutsche Identität“, die nicht länger von übermäßigem Selbstvorwurf belastet sei.
Zwar erkannte Tillschneider die Befreiung vom Nationalsozialismus an, doch deutete er die militärische Niederlage Deutschlands als „Amputation großer deutscher Kulturlandschaften“. Kritiker warfen ihm vor, eher die verlorene Macht der Wehrmacht zu betrauern als Deutschlands Rolle als Täterstaat anzuerkennen. Seine Aussagen wurden zudem als respektlos gegenüber den Opfern des NS-Regimes verurteilt und als weiterer Schritt der AfD in die geistige Isolation gewertet.
Tillschneiders Rede vertiefte die Gräben in der Debatte darüber, wie Deutschland an seine Vergangenheit erinnern soll. Seine Ablehnung etablierter historischer Narrative stieß auf scharfe Kritik, insbesondere weil er die Verantwortung des Landes herunterspielte. Die Diskussion zeigt, wie sehr die Themen Erinnerung, Schuld und nationale Identität das heutige Deutschland noch immer prägen.






