ARD testet 30-Minuten-Tagesschau – kann mehr Länge die Quoten retten?
Clara HofmannARD testet 30-Minuten-Tagesschau – kann mehr Länge die Quoten retten?
Die ARD testet eine längere Version ihrer Flaggschiff-Nachrichtensendung Tagesschau. Der Versuch startete mit der Montagabend-Ausgabe um 20:15 Uhr, bei der die Sendedauer von 15 auf 30 Minuten verlängert wurde. Der Sender will die Sendung damit alltagsrelevanter gestalten, indem hartes Nachrichtenmaterial mit alltäglichen Perspektiven verknüpft wird.
Doch der Schritt sorgt unter Journalisten und Branchenbeobachtern für Diskussionen. Die Zuschauerzahlen der klassischen Tagesschau sind in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gesunken. Zwischen 2021 und 2026 fielen die durchschnittlichen Einschaltquoten von 18–20 % auf etwa 14–16 %, während die Primetime-Zuschauer von 7–8 Millionen auf 5–6 Millionen zurückgingen. Nur große Krisen wie der Ukraine-Krieg 2022 konnten den Trend vorübergehend umkehren.
Als Reaktion probiert die ARD nun ein 30-Minuten-Format aus, das den Zuschauern mehr Informationen und ein stärkeres Gefühl der Repräsentation bieten soll. Der Nachteil: ein höherer Zeitaufwand. WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn betonte, dass es sich nicht um einen Einzeltest handle, sondern um Teil einer umfassenderen Strategie.
Kritiker hingegen hinterfragen den Ansatz. Manche halten 15 Minuten weiterhin für die ideale Länge und warnen, dass eine längere Sendedauer das Primetime-Programm der ARD durcheinanderbringen könnte. Andere bemängeln, dass der Entscheidungsprozess hinter der Änderung übermäßig kompliziert sei. Ob der Versuch dauerhaft umgesetzt wird, bleibt noch ungewiss.
Der Test spiegelt die Bemühungen der ARD wider, sich an veränderte Sehgewohnheiten und die Konkurrenz durch Streamingdienste anzupassen. Der Sender wertet derzeit das Feedback aus, bevor über die Zukunft des Formats entschieden wird. Das Ergebnis wird zeigen, ob die 30-Minuten-Version bleibt oder zur ursprünglichen Länge zurückkehrt.






