Berlin am Limit: Maroder Nahverkehr, Kriminalität und Müllberge überfordern die Stadt
Clara HofmannBerlin ohne Rolltreppen - Was läuft noch in der Hauptstadt? - Berlin am Limit: Maroder Nahverkehr, Kriminalität und Müllberge überfordern die Stadt
Berlin kämpft mit anhaltenden Problemen: Von marodem Nahverkehr bis zu steigender Kriminalität
In den vergangenen Monaten sah sich Berlin mit einer Reihe anhaltender Herausforderungen konfrontiert – von Zusammenbrüchen im Verkehrssektor bis hin zu wachsender Kriminalität. Die Bewohner:innen haben mit defekter Infrastruktur, behördlichem Chaos und einer Welle gangbezogener Gewalt zu kämpfen. Zudem gerät die Stadtführung wegen angeblichen Krisenmanagements unter Beschuss.
Am Berliner Hauptbahnhof sind seit fast einem Monat zwei Drittel der Rolltreppen außer Betrieb. Technische Defekte und Sicherheitsmängel zwingen Reisende, 147 Stufen zwischen den Fernverkehrsgleisen und der S-Bahn zu Fuß zurückzulegen. Die Deutsche Bahn macht Lieferengpasse bei Ersatzteilen für die verzögerten Reparaturen verantwortlich – wann die Anlagen wieder funktionieren, bleibt unklar.
Der regierende Bürgermeister Kai Wegner hat durch den sogenannten "Tennis-Gate"-Skandal an Ansehen verloren. Während eines stadtweiten Stromausfalls ließ er sich beim Tennisspielen fotografieren – was auf massive öffentliche Kritik stieß. Gleichzeitig hat eine neu eröffnete, drei Kilometer lange Teilstrecke der A100, deren Bau zwölf Jahre dauerte, den Stau nicht gelindert, sondern verschärft.
Auch die Kriminalität nimmt zu, insbesondere durch einen aus der Türkei importierten Bandenkonflikt. Schießereien häufen sich, türkisch geführte Betriebe leben in ständiger Angst. Als Reaktion richtete das Landeskriminalamt (LKA) die Sondereinheit "Ferrum" ein, um die Bandengewalt zu bekämpfen. Ihr Einsatz wurde nun um weitere sechs Monate verlängert.
Illegale Müllentsorgung bleibt ein Dauerbrenner. Zwar fehlen exakte Vergleichszahlen zu Vorjahren, doch stiegen die verhängten Bußgelder von 4,9 Millionen Euro (2023) auf 8,6 Millionen Euro (2024). Der Berliner Stadtreinigungsbetrieb (BSR) räumte 2024 rund 54.000 Kubikmeter wilden Mülls weg – deutlich mehr als in den Jahren vor 2023. In manchen Bezirken wie Friedrichshain-Kreuzberg verdoppelten sich die registrierten Fälle fast: von 549 (2023) auf 1.149 (2025).
Auch der Winterdienst hinterließ zu wünschen übrig: Glatte Gehwege und liegengebliebener Streusplitt sorgten für Beschwerden. Kritiker führen die Missstände auf behördliche Schlamperei und öffentliche Gleichgültigkeit zurück.
Berlins eskalierende Probleme – von kaputten Verkehrsverbindungen bis zur steigenden Kriminalität – offenbaren systemische Schwächen der Stadt. Die Behörden stehen unter Druck, die Infrastrukturdefizite, Bandengewalt und Müllprobleme in den Griff zu bekommen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die aktuellen Maßnahmen nachhaltige Besserung bringen.