Böhmermanns ZDF-Beitrag macht rechtsextremen YouTuber erst richtig bekannt
Ella WagnerBöhmermanns ZDF-Beitrag macht rechtsextremen YouTuber erst richtig bekannt
Ein umstrittener Beitrag im ZDF Magazin Royale ist nach hinten losgegangen und hat einem rechtsextremen YouTuber zu mehr Bekanntheit verholfen. Die Recherche von Moderator Jan Böhmermann über den Kanal Clownswelt führte zu Vorwürfen des Doxxings und einem deutlichen Anstieg der Abonnentenzahlen. Seit der Ausstrahlung Anfang 2024 hat sich die Zahl der Abonnenten des YouTubers mehr als verdoppelt.
Im frühen Jahr 2024 präsentierten Böhmermann und der Zeit-Online-Journalist Fuchs einen Beitrag, in dem sie den YouTube-Kanal Clownswelt entlarven wollten. Sie warfen dem Kanal vor, rechtsextremes Gedankengut zu verbreiten, doch Kritiker hielten die Beweise für dünn. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung fragte später, ob die Berichterstattung tatsächlich belege, dass der YouTuber "rechtsextrem" oder "gefährlich" sei.
Die Gegenreaktion ließ nicht lange auf sich warten. Nutzer in sozialen Medien warfen Böhmermann und Fuchs Doxxing vor, einige forderten sogar die Veröffentlichung ihrer Privatadressen. Konservative Medien und Online-Kommentatoren verglichen ihre Methoden mit Überwachungspraktiken der Stasi. Unterdessen florierte der Kanal des YouTubers – die Abonnentenzahl stieg von etwa 150.000 zum Zeitpunkt der Sendung auf über 384.000 bis Mai 2025.
Auch die monatlichen Aufrufe von Clownswelt stiegen um 250 Prozent auf 10 Millionen. Dieses Wachstum überflügelte andere rechtspopulistische Kanäle, darunter solche mit Verbindungen zur AfD, die nur Zuwächse von 40 bis 60 Prozent verzeichneten. Extremere Kanäle wie die Revue der Rechten stagnierten oder verloren sogar an Reichweite, bedingt durch strengere Plattformregulierungen. Mit der wachsenden Zuschauerzahl dürften auch die Werbeeinnahmen des YouTubers gestiegen sein.
Rechtliche Bedenken folgten auf dem Fuße. Der Medienanwalt Christian Solmecke warnte, Böhmermann und Zeit Online könnten gegen §126a des Strafgesetzbuchs verstoßen haben, was mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet werden kann. Fuchs verteidigte die Recherche und betonte, dass nur ein Prozent der gesammelten Informationen veröffentlicht worden seien, um die Privatsphäre zu schützen. Der Fall hat die Debatte neu entfacht, wie weit investigativer Journalismus gehen darf, wenn es um die Bloßstellung privater Personen geht.
Seit Jahren nutzen linksextreme antifaschistische Gruppen ähnliche Methoden, um Rechtsextreme zu recherchieren. Doch nun stellen Kritiker infrage, ob öffentlich-rechtliche Sender wie das ZDF durch solche Beiträge eher zur Polarisierung beitragen, statt ihr entgegenzuwirken.
Der Beitrag des ZDF Magazin Royale sollte Clownswelt entlarven, erreichte jedoch das Gegenteil: Die Reichweite des Kanals nahm deutlich zu, die Abonnentenzahlen und Werbeeinnahmen stiegen stark an. Die rechtlichen und ethischen Diskussionen über die Berichterstattung dauern an – eine Lösung ist nicht in Sicht.






