CDU Hessen leitet Ausschlussverfahren nach umstrittenem AfD-Bündnis ein
Clara HofmannCDU Hessen leitet Ausschlussverfahren nach umstrittenem AfD-Bündnis ein
Die hessische CDU hat schnell gegen Mitglieder reagiert, die in Biebesheim am Rhein mit der AfD zusammengearbeitet haben. Der örtliche Parteiverband leitete Ausschlussverfahren ein, nachdem eine gemeinsame Abstimmung dazu führte, dass ein AfD-Kandidat einen Sitz im Gemeindevorstand erhielt. Landesvertreter bezeichneten den Schritt als notwendige Reaktion auf die unabgesprochene Zusammenarbeit.
Der Streit begann, als CDU- und AfD-Gemeinderäte eine gemeinsame Kandidatenliste für die Wahl der ehrenamtlichen stellvertretenden Bürgermeister einreichten. Ihr Vorschlag stand einer separaten Liste von SPD, Grünen und Freien Wählern gegenüber, die gemeinsam 17 der 31 Sitze im Gemeinderat halten. Die AfD, die über sechs Sitze verfügt, konnte ihren Kandidaten Bernd Kahnert nach dem Erfolg der gemeinsamen CDU-AfD-Liste in den Gemeindevorstand bringen.
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Harth hatte offen dafür plädiert, dass seine Partei eine stellvertretende Bürgermeisterposition erhält – trotz der nur acht Sitze der CDU im Gemeinderat. Die Partei bezeichnete die gemeinsame Abstimmung später als "offensichtlich spontan und unabgestimmt" und betonte, es habe sich nicht um eine bewusste Strategie gehandelt. Der CDU-Kreisvorsitzende Stefan Sauer bestätigte, dass nun weitere disziplinarische Maßnahmen geprüft werden.
Der hessische CDU-Generalsekretär Leopold Born unterstützte die Entscheidung und unterstrich die Notwendigkeit, "sofort und entschlossen" auf lokaler Ebene zu handeln. Der Vorfall reiht sich in einen größeren Trend ein: Eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) ergab, dass die AfD in fast 19 Prozent von 5.000 inhaltlichen Kommunalabstimmungen zwischen Mitte 2019 und Mitte 2024 direkt mit anderen Parteien zusammengearbeitet hat.
Die Ausschlussverfahren unterstreichen die klare Haltung der CDU gegen lokale Bündnisse mit der AfD. Der Vorfall zeigt zudem die anhaltenden Spannungen bei der überparteilichen Zusammenarbeit in der deutschen Kommunalpolitik auf. Weitere disziplinarische Schritte gegen beteiligte Mitglieder bleiben möglich.






