Energiekrise bremst Deutschlands Wirtschaftswachstum bis 2027 drastisch aus
Hannah HofmannEnergiekrise bremst Deutschlands Wirtschaftswachstum bis 2027 drastisch aus
Deutschlands Wirtschaftswachstum droht in den nächsten beiden Jahren stark zu bremsen, da die explodierenden Energiepreise ihre Wirkung entfalten. Eine neue Prognose von sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstituten warnt vor einer deutlichen Abschwächung der Konjunktur – für 2026 wird nur noch ein Anstieg der Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozent erwartet. Der Kostenschub folgt auf monatelange Turbulenzen an den globalen Energiemärkten, die durch die eskalierende Krise im Nahen Osten angeheizt wurden.
Die Krise begann Ende 2025, als die Spannungen mit dem Iran zunahmen und zur Blockade der Straße von Hormus führten. Seither ist der Preis für Brent-Rohöl um über 57 Prozent auf mehr als 113 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Die europäischen Gaspreise kletterten um fast 60 Prozent auf rund 50 Euro pro Megawattstunde, während die Terminkontrakte für Diesel wieder das Niveau von 2022 erreichten.
Besonders hart trifft es Deutschland, Polen und die europäische Milchwirtschaft. Die Inflation wird im zweiten Quartal 2026 voraussichtlich 2,9 Prozent erreichen und damit Sprit, Heizöl sowie Produktionskosten in die Höhe treiben. Zudem drohen weitere Versorgungsrisiken: Mögliche Lieferausfälle im Irak und in Kuwait könnten bis zu 3,3 Millionen Barrel pro Tag gefährden.
Vor diesem Hintergrund haben die Forschungsinstitute ihre Wachstumsprognose für 2027 von 1,4 auf nur noch 0,9 Prozent gesenkt. Die Verbraucherpreise dürften 2026 im Schnitt um 2,8 Prozent steigen, 2027 dann um 2,9 Prozent. Ökonomen raten von staatlichen Preisdeckeln für Energie ab und empfehlen stattdessen gezielte Hilfen für einkommensschwache Haushalte.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche forderte "mutige Reformen", um der schwächeren Konjunktur entgegenzuwirken. Die Frühjahresprognose, die auch der eigenen Planung der Regierung zugrunde liegt, wird am 22. April offiziell vorgestellt.
Der Bericht zeichnet ein düsteres Bild für die größte Volkswirtschaft Europas: Höhere Energiekosten belasten Unternehmen und Privathaushalte, während die Inflation hartnäckig über dem Zielwert bleibt. Die Politik steht nun vor der Herausforderung, Unterstützungmaßnahmen mit langfristiger Stabilität in Einklang zu bringen.






