29 March 2026, 14:06

Europa kämpft um digitale Souveränität mit Open-Source und eigenen Cloud-Lösungen

Diagramm eines Cloud-Computing-Systems mit mehreren Geräten (Laptop, Handy, Tablet), die sicher über Schlösser verbunden sind und den Zugriff auf Anwendungen und Daten von jedem vernetzten Gerät veranschaulichen.

Europa kämpft um digitale Souveränität mit Open-Source und eigenen Cloud-Lösungen

Europa strebt nach weniger Abhängigkeit von ausländischer digitaler Infrastruktur. Immer mehr Projekte zielen darauf ab, Daten und Technologien auf dem Kontinent zu halten. In Deutschland gehen sowohl der öffentliche als auch der private Sektor entschlossene Schritte, um die digitale Souveränität zu stärken.

Ein zentrales Vorhaben kommt aus Schleswig-Holstein, wo die Behörden damit begonnen haben, staatliche Systeme auf Open-Source-Plattformen umzustellen. Gleichzeitig investiert der Handelsriese Schwarz Group massiv in eine eigene Cloud-Infrastruktur, um Abhängigkeiten von US-amerikanischen und chinesischen Anbietern zu verringern.

Seit 2023 verlagert Schleswig-Holstein seine digitalen Dienstleistungen weg von nicht-europäischen Anbietern. Bis Oktober 2025 will das Bundesland den Umstieg auf Open-Source-Lösungen wie Open Xchange, Thunderbird und Univention Nubus abschließen. Ziel ist es, die Abhängigkeit von ausländischen Tech-Konzernen zu reduzieren und die Kontrolle über öffentliche Daten zurückzugewinnen.

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Die größere Herausforderung für Europa ist offensichtlich: US-Unternehmen wie Amazon Web Services, Microsoft und Google beherrschen fast 65 Prozent des weltweiten Cloud-Marktes. Auch China baut seine digitalen Ökosysteme über staatlich unterstützte Tech-Giganten aus – Europa bleibt damit von externer Infrastruktur abhängig. Rolf Schumann, Mitgeschäftsführer von Schwarz Digits, argumentiert, dass Europas Stärken nicht in großen KI-Modellen wie ChatGPT liegen, sondern vor allem in produktivitätsorientierten Anwendungen und der sicheren Datenverarbeitung.

Schwarz Digits, eine Sparte der Schwarz Group, entwickelt mit Stackit eine eigene Cloud-Plattform, um sicherzustellen, dass Daten in Europa bleiben. Das Unternehmen setzt auf Open-Source-Technologie und kontinuierliche Netzwerküberwachung, um Sicherheit zu gewährleisten. Nun geht es einen Schritt weiter: ein 11-Milliarden-Euro-Rechenzentrum in Lübbenau, Brandenburg. Die Anlage wird 100.000 Grafikprozessoren (GPUs) beherbergen und sowohl den internen Bedarf der Schwarz Group als auch externe Kunden bedienen.

Unter der Führung von Schumann und Christian Müller will Schwarz Digits den Handelskonzern zu einem zentralen Akteur in Europas digitaler Infrastruktur machen. Ihr Ziel ist es, die strukturellen Abhängigkeiten des Kontinents zu verringern und ein eigenständiges Ökosystem für Datenverarbeitung und -speicherung aufzubauen.

Das neue Rechenzentrum in Brandenburg wird nicht nur die Abläufe der Schwarz Group abwickeln, sondern auch freie Kapazitäten an externe Unternehmen vermieten. Zusammen mit Schleswig-Holsteins Umstieg auf Open-Source-Systeme zeigen diese Initiativen ein wachsendes Bestreben, europäische Daten in der Region zu halten. Der Erfolg solcher Projekte könnte entscheiden, wie viel Kontrolle der Kontinent über seine digitale Zukunft zurückgewinnt.

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