Hettich-Mitarbeiter verzichten auf 1.000 Euro – um ihre Jobs zu retten
Ella WagnerHettich-Mitarbeiter verzichten auf 1.000 Euro – um ihre Jobs zu retten
Tausende Beschäftigte des deutschen Möbelzulieferers Hettich haben sich bereit erklärt, eine geplante Gehaltserhöhung zu verschieben. Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der das Unternehmen mit finanziellen Schwierigkeiten in einer kränkelnden Branche kämpft. Für die Mitarbeiter bedeutet dies einen Ausfall von über 1.000 Euro pro Person im kommenden Jahr.
Die ursprünglich für den 1. April vorgesehene Lohnerhöhung von 3,1 Prozent hatte das Unternehmen verschoben – mit Verweis auf schwache Gewinnmargen und steigende Kosten. Durch die Verzögerung erhofft sich Hettich eine Ersparnis von mehreren Millionen Euro.
Hohe Inflation, explodierende Energiepreise seit 2022 und nachlassende Nachfrage setzen die deutschen Möbelzulieferer stark unter Druck. Auch große Konkurrenten wie Grass und Blum verzeichnen sinkende Gewinne, was zu Stellenabbau und verschlechterten Arbeitsbedingungen führt. Zwischen 2023 und 2025 mussten Beschäftigte der Branche längere Arbeitszeiten bei stagnierenden Löhnen hinnehmen.
Mindestens 90 Prozent der Belegschaft von Hettich stimmten für die Annahme der Verschiebung. Die Gewerkschaft IG Metall kritisierte den Schritt jedoch scharf und warf dem Unternehmen vor, die Mitarbeiter unter Druck zu setzen. Hettich wies die Vorwürfe zurück und betonte, man habe vollständige Transparenz geboten und den Beschäftigten eine individuelle Entscheidung ermöglicht.
Die Verbraucherpreise in Deutschland stiegen im Februar 2026 auf 123,1 Punkte – nach 120,8 im Vorjahr. Die wirtschaftliche Belastung zwingt viele Unternehmen, Löhne zu drücken, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Durch die verschobene Gehaltserhöhung verliert jeder Mitarbeiter über zwölf Monate hinweg mehr als 1.000 Euro. Hettich begründet die Maßnahme als notwendig, um in einem schwierigen Marktumfeld Arbeitsplätze zu sichern. Der Konflikt verdeutlicht die größeren Herausforderungen, vor denen die deutsche Möbelzuliefererbranche steht.






