Merz' umstrittene Äußerung zu syrischen Rückkehrern löst politische Welle aus
Hannah HofmannMerz' umstrittene Äußerung zu syrischen Rückkehrern löst politische Welle aus
Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit einer umstrittenen Aussage für Aufsehen gesorgt, als er andeutete, dass 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer innerhalb von drei Jahren in ihre Heimat zurückkehren könnten. Die Äußerung fiel während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa und zog umgehend Kritik von politischen Verbündeten wie auch aus der Opposition auf sich.
Seit 2011 haben über 230.000 syrische Geflüchtete die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, allein 2024 wurden mehr als 83.000 eingebürgert. Aktuell leben rund eine Million Syrer in Deutschland – eine mögliche Rückführung von 800.000 Menschen wäre damit ein gewichtiges Thema.
Die Ankündigung erfolgte im Rahmen eines gemeinsamen Auftritts von Merz und al-Sharaa. Zunächst präsentierte der Kanzler die 80-Prozent-Marke als realistisches Ziel unter den richtigen Voraussetzungen. Doch bereits am folgenden Morgen begann er, sich davon zu distanzieren, und präzisierte, die Zahl stamme vom syrischen Präsidenten – nicht von ihm selbst.
Al-Sharaa widersprach dieser Darstellung später und bezeichnete die 80-Prozent-Angabe als "etwas übertrieben" und nicht von ihm stammend. Er betonte, mögliche Rückkehrer müssten freiwillig, würdevoll und ohne Zwang in ihre Heimat zurückkehren können. Seine Aussagen trugen weiter zur Verwirrung bei, wer die ursprüngliche Zielvorgabe überhaupt gemacht hatte.
Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Der SPD-Abgeordnete Ralf Stegner und die stellvertretende Parteivorsitzende Anke Rehlinger – beide Teil von Merz' Koalitionsregierung – hinterfragten die Umsetzbarkeit der Pläne. Die Grünen-Politikerin Luise Amtsberg warf dem Kanzler vor, bei den betroffenen 800.000 deutsch-syrischen Bewohnern unnötige Verunsicherung ausgelöst zu haben.
Als Reaktion passte das Bundespresseamt seine Stellungnahme behutsam an. In der überarbeiteten Version wurde betont, dass die 80-Prozent-Zahl al-Sharaas Wünsche widerspiegle – und keine konkrete deutsche Politik darstelle. Die geänderte Formulierung deutet auf den Versuch hin, die Kontroverse herunterzuspielen.
Die Debatte hat bei vielen Syrern in Deutschland Fragen über ihre Zukunft aufgeworfen. Mit über einer Million hier lebender Menschen und Zehntausenden Einbürgerungen pro Jahr bleibt das Thema Rückführung politisch brisant. Bisher hat die Regierung keine offiziellen Pläne für groß angelegte Rückkehrprogramme vorgelegt.






