Paderborn-Studie enthüllt: Kardinäle deckten jahrzehntelang Missbrauchstäter und verrieten Opfer
Ella WagnerStudie klärt sexuellen Missbrauch in der Erzdiözese Paderborn - Paderborn-Studie enthüllt: Kardinäle deckten jahrzehntelang Missbrauchstäter und verrieten Opfer
Eine neu veröffentlichte unabhängige Studie hat schwere Versäumnisse im Erzbistum Paderborn aufgedeckt. Der Bericht zeigt, dass zwei Kardinäle über Jahrzehnte hinweg Missbrauchstäter wiederholt deckten und Opfer vernachlässigten. Die Untersuchung umfasst mehr als 80 Jahre Kirchengeschichte in einem der einflussreichsten Bistümer Deutschlands.
Das Erzbistum Paderborn, das 1,3 Millionen Katholiken in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen betreut, steht im Mittelpunkt der Studie. Sein Gebiet erstreckt sich von Minden im Norden bis Siegen im Süden und von Herne im Westen bis Höxter im Osten. Paderborn ist eines von sieben Erzbistümern in Deutschland und nimmt eine herausragende Stellung in der nationalen Kirche ein.
Ursprünglich hatten die Forscher geplant, ihre Ergebnisse früher zu veröffentlichen. Durch die COVID-19-Pandemie und die Entdeckung eines weitaus größeren Quellenmaterials als erwartet kam es jedoch zu Verzögerungen. Der nun vorliegende Abschlussbericht deckt den Zeitraum von 1941 bis 2022 ab und konzentriert sich auf die Amtszeiten der Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt.
Die Untersuchung ergab, dass beide Kardinäle es versäumten, konsequent gegen Missbrauchstäter vorzugehen. Stattdessen stellten sie den Schutz der Institution über die Unterstützung der Opfer. In einer zweiten Phase wird nun die Amtszeit von Hans-Josef Becker untersucht, der von 2002 bis 2022 als Erzbischof wirkte.
Der Bericht legt systemische Versäumnisse im Erzbistum Paderborn über viele Jahrzehnte offen. Die Ergebnisse dürften die Debatte darüber verschärfen, wie die katholische Kirche in Deutschland mit Missbrauchsfällen umgegangen ist. Die vollständige Studie soll 2026 veröffentlicht werden.