RAW-Gelände in Berlin: Räumungen drohen – ist das Ende der Kulturoase nah?
Ella WagnerRAW-Gelände in Berlin: Räumungen drohen – ist das Ende der Kulturoase nah?
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes – ein Hotspot für Clubs, Bars und Kulturstätten – steht auf dem Spiel. Einige Mieter, darunter der Club Cassiopeia, wurden aufgefordert, die Räumlichkeiten zu verlassen; erste Zwangsräumungen könnten bereits nächste Woche vollstreckt werden. Die langjährige Rolle des Areals als kulturelles Zentrum ist damit in Frage gestellt.
Ursprünglich diente das RAW-Gelände als Wartungsdepot für Reichsbahn-Züge. Nach dem Fall der Berliner Mauer lag es brach, bevor es sich zu einem lebendigen Kulturort entwickelte. Heute beherbergt es Konzertlocations, einen Biergarten, eine Skatehalle, eine Boulderhalle sowie Lagerhallen, einen Weihnachtsmarkt und einen Flohmarkt.
Seit über einem Jahrzehnt schwelt ein Streit zwischen der Kurth-Gruppe, der Eigentümerin des Geländes, und der Stadt Berlin. Die Verhandlungen brachen im Juni 2023 zusammen. Im Mittelpunkt des Konflikts steht die Frage, wie viele Wohnungen gebaut werden sollen – und ob die historischen Hallen, in denen Clubs und Kulturstätten untergebracht sind, erhalten bleiben.
Die Kurth-Gruppe wirft der Stadt vor, frühere Absprachen gebrochen zu haben. Die Stadt wiederum beschuldigt das Unternehmen, die Clubs und die vielfältige Kulturszene des Geländes zu gefährden. Der Eigentümer besteht darauf, vor weiteren Gesprächen eine beschleunigte Baugenehmigung für Wohnungsneubauten zu erhalten.
Die Proteste haben bereits begonnen: Dutzende demonstrierten vor den Büros der Kurth-Gruppe und forderten eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. Eine Petition mit derselben Forderung soll am Freitag dem Senat überreicht werden.
Der Club Cassiopeia und andere Mieter müssen nun mit Räumungen rechnen. Die kulturellen Einrichtungen und Gemeinschaftsräume des RAW-Geländes stehen auf der Kippe. Die Zukunft hängt davon ab, ob die Kurth-Gruppe und die Stadt ihren langjährigen Streit beilegen können.
