Sachsen-Anhalt vor der Zerreißprobe: Wird die AfD 2026 die Macht übernehmen?
Ella WagnerSachsen-Anhalt vor der Zerreißprobe: Wird die AfD 2026 die Macht übernehmen?
Sachsen-Anhalt steht vor einem politisch turbulenten Jahr, da die rechtspopulistische AfD vor der Landtagswahl 2026 weiter an Zuspruch gewinnt. Umfragen sehen die Partei bei rund 40 Prozent – ein Wert, der Sorgen vor einer grundlegenden Umgestaltung der Landesregierung weckt. Gleichzeitig stehen traditionelle Konkurrenten wie CDU und Linke vor schwierigen Entscheidungen: Soll man der AfD entgegenwirken – notfalls auch durch eine ungewöhnliche Zusammenarbeit?
Die AfD hat ihre Vorherrschaft in Sachsen-Anhalt gefestigt, nachdem sie bei der Bundestagswahl 2025 mit 37,1 Prozent der Stimmen alle Direktmandate gewann. Ihr Entwurf für das Wahlprogramm 2026 macht "Remigration" zur Kernforderung, stellt die Briefwahl infrage und knüpft staatliche Fördergelder für Vereine an politische Ausrichtung. Zudem will die Partei Kulturmittel umschichten – hin zu Projekten, die "deutsche Identität" stärken, und präsentiert dies als Lösung für "Integrationsprobleme durch Massenzuwanderung". Geplant ist auch, staatliche Zuschüsse und Kirchensteuern für die großen Kirchen zu streichen, was Analysten zufolge innerhalb eines Jahres Kitas, Suppenküchen und Altenheime in Existenznot bringen könnte.
Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat offen bekundet, nach der Wahl am 6. September eine Alleinregierung anstreben zu wollen. Politologische Beobachter warnen, eine AfD-geführte Landesregierung könnte einen tiefgreifenden Umbau von Institutionen und Politik einleiten.
Die Wähler sind gespalten, wie mit der Stärke der AfD umzugehen ist: Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 35 Prozent eine formelle Koalition aus CDU und AfD befürworten, während 30 Prozent eine CDU-Minderheitsregierung bevorzugen – geduldet von der AfD. Doch viele sehen auch in einer Zusammenarbeit von CDU und Linker eine Möglichkeit, die AfD von der Macht fernzuhalten – obwohl beide Parteien historisch auf Distanz zueinander gingen.
Die Linke steht nun vor einem Dilemma: Einerseits gilt sie als Gegengewicht zur AfD, andererseits fragen sich Wähler, ob sie sich mit der CDU verbünden sollte – einer Partei, die laut einer Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung in der Sache, wenn nicht in der Rhetorik, der AfD nähergerückt ist. Ein möglicher Weg für die Linke könnte "konstruktive Opposition" sein: wichtige Gesetze und Haushalte mitzutragen, ohne eine vollwertige Koalition einzugehen.
Mit der AfD kurz vor einem historischen Wahlerfolg verändert sich Sachsen-Anhalts politische Landschaft rasant. Die CDU muss abwägen: Risiko einer Annäherung an die Linke eingehen oder die wachsende Dominanz der AfD akzeptieren? Eines ist sicher: Die Wahl am 6. September wird entscheiden, ob die Region zum "Modelllabor für rechtspopulistische Regierungspolitik" wird – oder zum Schauplatz des Widerstands dagegen.






