30 March 2026, 14:08

Syriens Übergangspräsident al-Scharaa in Berlin: Hoffnung oder Rückfall in den Autoritarismus?

Eine Karte von Syrien, die in Blau, Grün, Gelb und Rot schattiert ist, um das Ausmaß des syrischen Bürgerkriegs anzuzeigen, mit beschrifteten Städten und Bezirksgrenzen.

Syriens Übergangspräsident al-Scharaa in Berlin: Hoffnung oder Rückfall in den Autoritarismus?

Syriens kommissarischer Präsident Ahmed al-Scharaa besucht diese Woche Berlin – zu einem Zeitpunkt, in dem seine Regierung wegen autoritärer Politik zunehmend in die Kritik gerät. Die Reise folgt auf den Zusammenbruch des Regimes von Baschar al-Assad im Dezember 2024, ein Umbruch, der zunächst als Chance für demokratische Reformen galt, nun aber Sorgen wegen Menschenrechtsverletzungen und einer Machtkonzentration weckt.

Al-Scharaa übernahm nach Assads Sturz das Amt und setzte eine Übergangsverfassung durch, die die präsidiale Autorität stärkte. Seine Regierung trieb die wirtschaftliche Privatisierung voran, zurückeroberte Gebiete und schloss Abkommen ab – darunter eine Vereinbarung mit kurdischen Kräften im Nordosten Syriens, die deren autonome Selbstverwaltung beendete. Im November 2025 trat Syrien zudem der Anti-IS-Koalition bei. Dennoch bleiben Spannungen mit den drusischen Gemeinschaften im Süden und kurdischen Gruppen bestehen. Zudem verschärften Massenentlassungen von 300.000 bis 400.000 Beschäftigten im öffentlichen Sektor bis Mitte 2025 – vor allem unter Alawiten – die Unruhen im Land.

Sophie Bischoff, Co-Vorsitzende der deutsch-syrischen Menschenrechtsorganisation Adopt a Revolution, bezeichnete den Sturz des Assad-Regimes zwar als "historische Chance für die Demokratie". Gleichzeitig warnte sie jedoch vor einem "gravierenden demokratischen Defizit" unter al-Scharaa und verwies auf wachsenden Autoritarismus sowie Übergriffe gegen Minderheiten. Bischoff begrüßte seinen Berlin-Besuch zwar als "richtigen Schritt", betonte aber, dass sich das deutsche Engagement auf den Aufbau demokratischer Strukturen konzentrieren müsse – und nicht nur auf Abschiebungsabkommen, wie sie Kanzler Friedrich Merz (CDU) in den Fokus rücke.

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Adopt a Revolution, seit 2011 in Syrien aktiv, forderte Berlin auf, lokale Gemeinschaften in die Wiederaufbaupläne einzubeziehen. Die Organisation verlangte zudem bessere rechtliche Absicherungen für Syrier:innen in Deutschland, die in ihre Heimat reisen. Farhad Ahma vom syrischen Kulturzentrum PEL-Civil Waves hinterfragte unterdessen, ob Deutschlands Fokus auf die Übergangsregierung zivilgesellschaftliche Stimmen an den Rand dränge.

Al-Scharaas Besuch unterstreicht die brüchige Transition Syriens, geprägt von zentralistischer Kontrolle und ungelösten Konflikten. Zwar wächst die internationale Zusammenarbeit, doch Kritiker:innen pochen auf stärkere Schutzmechanismen für Minderheiten, demokratische Teilhabe und wirtschaftliche Gerechtigkeit. Die Ergebnisse der Berliner Gespräche könnten Syriens Weg in den kommenden Monaten maßgeblich prägen.

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