Theater feiert epische Rückkehr mit Mammutaufführungen und immersiven Erlebnissen
Maximilian SchmidtTheater feiert epische Rückkehr mit Mammutaufführungen und immersiven Erlebnissen
Lang and immersiv: Das Theater feiert sein Comeback der Mammutaufführungen
In den deutschsprachigen Ländern erleben ausufernde, immersive Theaterproduktionen eine Renaissance. Nach Jahren kürzerer, pandemiebedingt zugänglicherer Stücke besinnen sich die Bühnen wieder auf marathongleiche Inszenierungen – und die Tickets für diese opulenten Abende sind oft rasend schnell ausverkauft, selbst wenn sie bis tief in die Nacht dauern.
Die deutsche Theaterlandschaft blickt auf eine lange Tradition epischer Stücke zurück. Den Aufschwung erlebte das Genre in den 1970er- und 1980er-Jahren mit dem Aufstieg des Regietheaters, bei dem künstlerische Visionen zu ausgedehnten Spieldauern führten. Robert Wilsons Einstein on the Beach, 1976 uraufgeführt, dauerte vier bis fünf Stunden. 1999 setzte Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiele neue Maßstäbe: Die Inszenierung erstreckte sich über volle zwölf Stunden.
Die Pandemie lenkte den Fokus vorübergehend auf kompaktere, pausenlose Stücke. Doch nun kehren die Theater zu ambitionierten Großprojekten zurück. 2023 brachte das Schauspielhaus Bochum Die Brüder Karamasow in einer siebenstündigen Fassung auf die Bühne. In diesem Jahr zeigt das Münchner Kammerspiele beim Berliner Theatertreffen Wallenstein: Ein Festmahl in sieben Gängen – ein weiteres siebenstündiges Epos. Die Berliner Volksbühne wird bald Peer Gynt wiederbeleben, wobei allein der erste Teil acht Stunden umfassen wird.
Das Berliner Theatertreffen, ein jährliches Festival, das die zehn herausragendsten Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentiert, führt regelmäßig diese langatmigen Werke im Programm. Nora Hertlein-Hull, die Festivalleiterin, erlebte 2007 erstmals eine dieser ultra-langen Aufführungen. Zwar erfasst der Deutsche Bühnenverein keine offiziellen Statistiken zu Spieldauern, doch die Nachfrage nach solchen intensiven Theatererlebnissen bleibt ungebrochen hoch.
Die Rückkehr des Marathon-Theaters spiegelt ein erneuertes Verlangen nach tiefgründigem, ununterbrochenem Erzählfluss wider. Das Publikum füllt wieder die Säle für Inszenierungen, die Stunden ihrer Zeit fordern. Mit großen Häusern wie der Volksbühne und den Kammerspielen an der Spitze zeigt sich: Dieser Trend verliert nicht an Fahrt.






