Wahlkrimi in Baden-Württemberg: CDU-Vorsprung schmilzt durch Briefwahlstimmen dahingegen
Hannah HofmannWahlkrimi in Baden-Württemberg: CDU-Vorsprung schmilzt durch Briefwahlstimmen dahingegen
Erste Hochrechnungen zur Landtagswahl in Baden-Württemberg zeigten die CDU um sechs Uhr abends mit drei Prozentpunkten Vorsprung vor den Grünen. Doch bis 20 Uhr hatte sich dieser Abstand auf nur noch 0,6 Prozent verringert. Die Verschiebung schien mit den Briefwahlstimmen zusammenzuhängen, die oft Parteien wie die CDU begünstigen, während Wähler anderer Parteien eher persönlich abstimmen.
In Rheinland-Pfalz behauptete ein Facebook-Nutzer nach Auszählung der Briefwahlstimmen Wahlfälschung, nachdem die Alternative für Deutschland (AfD) unter die 20-Prozent-Marke gefallen war. Die Wahlbehörden wiesen den Vorwurf zurück und erklärten, solche Schwankungen seien im Laufe der Auszählung normal.
Die ersten Prognosen der Sender ARD und ZDF hatten die AfD in Rheinland-Pfalz noch bei 20 Prozent gesehen. Im Laufe des Abends sank ihr Ergebnis auf 19,5 Prozent. Dieser Rückgang entsprach früheren Mustern, bei denen Briefwahlstimmen – die unter AfD-Anhängern weniger verbreitet sind – die Endergebnisse beeinflussten.
Briefwahlstimmen werden in der Regel später ausgezählt als die Stimmen der Wahlvor-Ort-Wähler. Parteien wie die AfD, deren Unterstützer postalischen Wahlmethoden oft misstrauen, verlieren daher häufig an Prozentpunkten, sobald diese Stimmen hinzukommen. Im Gegensatz dazu legte die CDU in Baden-Württemberg zu, als die Briefwahlstimmen berücksichtigt wurden.
In Rheinland-Pfalz werden Brief- und Urnenwahlstimmen nicht getrennt, sondern selbst in kleinen Gemeinden gemeinsam ausgezählt. Diese Praxis kann plötzliche Verschiebungen in den Parteiprozenten verstärken. Die Landeswahlleitung bestätigte, dass der Rückgang der AfD nichts Ungewöhnliches sei.
Historische Daten zeigen, dass Wahlprognosen – wie etwa jene von Infratest dimap – im Schnitt um 1,49 Prozentpunkte von den Endergebnissen abweichen. Bei der baden-württembergischen Wahl 2021 entsprach das AfD-Ergebnis von 18,6 Prozent weitgehend den Vorhersagen, während die CDU durch Briefwahlstimmen zulegte. Ähnlich lag in Rheinland-Pfalz der Rückgang der AfD um 0,5 Punkte gegenüber den Prognosen im erwarteten Rahmen.
Das vorläufige Endergebnis der SPD lag 1,1 Prozent unter der ersten ARD-Schätzung. Die ZDF-Prognose hatte die Grünen um 0,6 Prozent zu hoch eingeschätzt. Solche Anpassungen spiegeln wider, wie sich Hochrechnungen mit fortschreitender Stimmenauszählung präzisieren.
Der Rückgang der AfD in beiden Bundesländern folgte Mustern früherer Wahlen. Briefwähler, die sich oft früher entscheiden und demografisch anders zusammengesetzt sind, prägten die Endergebnisse. Die Wahlbehörden betonten, solche Schwankungen seien Teil des normalen Auszählungsprozesses und kein Hinweis auf Unregelmäßigkeiten.
Wahlprognosen bleiben Schätzungen, bis alle Stimmen verifiziert sind. Die Unterschiede zwischen frühen Hochrechnungen und Endergebnissen zeigen, wie Wahlmethoden die Ergebnisse beeinflussen.






