Warum wir in einer Welt der Meinungsflut nach Stille suchen
Die Welt überflutet uns mit Meinungen. Ob in Talkshows oder Online-Foren – überall teilen Menschen unablässig ihre Ansichten zu jedem erdenklichen Thema.
Allein in der vergangenen Woche stieß der Autor auf vehemente Standpunkte zum Nahostkonflikt, zu Windrädern und sogar zu veganen Torwarthandschuhen. Der unaufhörliche Strom an Gedanken ist so erdrückend geworden, dass manche vorschlagen, jede Person auf nur drei Meinungen pro Tag zu beschränken. Wer mehr äußern möchte, müsste sich dafür die Erlaubnis eines Rebhuhns einholen.
Der Autor stellt sich auch eine Welt vor, in der die Natur selbst Urteile über den Menschen fällen würde. Ein Kaktus könnte über fragwürdige Kleidungsentscheidungen stöhnen. Das Mittelmeer könnte Strandbesucher für die Wahl bestimmter Musik mit Quallenstichen bestrafen.
Trotz des Lärms suchen manche noch immer die Natur wegen ihrer Stille auf. Eine verbreitete Theorie besagt, dass Menschen sich natürlichen Räumen zuwenden, weil Bäume, Flüsse und Berge nicht urteilen und keine Meinungen von sich geben. Doch der Autor bleibt skeptisch, ob achtsames Atmen als Lösung taugt.
Meinungen werden nie verschwinden. Sie werden endlos produziert – zum kollektiven Konsum. Sie für sich zu behalten, gilt vielen längst als Tabu.
