Wie der Flaggenstreit die Weimarer Republik spaltete und Hindenburg scheiterte
Maximilian SchmidtWie der Flaggenstreit die Weimarer Republik spaltete und Hindenburg scheiterte
Flaggenstreit spaltet Deutschland in den 1920er-Jahren
In den mittleren 1920er-Jahren verschärfte sich der deutsche Flaggenstreit, als sich die politischen Gräben zu verfeindeten Lagern verfestigten. Zur Präsidentschaftswahl 1925 war das Land gespalten in einen „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ und einen „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“. Die Auseinandersetzung hatte ihren Ursprung in der Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs, als konkurrierende Vorstellungen nationaler Identität um Symbole und Farben rangen.
Der Konflikt nahm seinen Anfang in der revolutionären Phase von 1918/19. Die Spartakisten und später die KPD forderten Rot als einzige Nationalfarbe. Gleichzeitig unterstützten viele Konservative zunächst Schwarz-Rot-Gold – in der Hoffnung, damit unter einer großdeutschen Flagge den Anschluss an Österreich zu vollziehen. Doch nach dem Verbot der Anschlusspläne durch die Alliierten versteinerten sich die politischen Lager hinter ihren jeweiligen Flaggen.
Ein früherer Kompromissversuch der Nationalversammlung hatte versucht, die Gräben zu überbrücken: Schwarz-Rot-Gold wurde zur Nationalflagge erklärt, während die Handelsflagge beide Farbkombinationen vereinen durfte. Doch auch dies milderte die Spannungen nicht. 1926 unternahm die Regierung einen neuen Anlauf zur Lösung des Konflikts.
Der Reichs-Kunstwart Edwin Redslob erhielt den Auftrag, eine einheitliche „Reichsflagge“ zu entwerfen. Sein Aufgabenbereich umfasste auch die „künstlerische Gestaltung“ des Reiches, einschließlich offizieller Symbole. Trotz unzähliger Vorschläge gelang es ihm nicht, einen Entwurf vorzulegen, der alle Seiten zufriedenstellte. Stattdessen provozierte die Initiative – eigentlich als Zugeständnis an die Rechte gedacht – nur noch stärkeren Widerstand von Links und Mitte, die sich entschlossen hinter Schwarz-Rot-Gold stellten.
Am 5. Mai 1926 erließ Reichspräsident Paul von Hindenburg die Zweite Flaggenverordnung. Das Dekret schrieb vor, dass deutsche diplomatische und konsularische Vertretungen außerhalb Europas sowohl die Nationalfarben (Schwarz-Rot-Gold) als auch die Handelsflagge (Schwarz-Weiß-Rot) zeigen mussten. Hindenburg veröffentlichte zudem einen offenen Brief, in dem er zu einem verfassungspolitischen Kompromiss aufrief, um die Spaltung zu überwinden. Doch sein Appell vermochte die wachsende Polarisierung nicht zu bremsen.
Der Flaggenstreit blieb ungelöst – ein Spiegel tieferer politischer Brüche in der Weimarer Republik. Die Verordnung erzwang zwar im Ausland die Doppeldarstellung der Farben, doch im Inland schwelten die Konflikte weiter. Bis zum Ende der 1920er-Jahre hatten sich die verfeindeten Lager in ihren Positionen vergraben. Die Frage der nationalen Symbole blieb ebenso ungeklärt wie die Zukunft des Landes.






