13 March 2026, 22:07

Wie die DDR Joseph Beuys 1988 zögerlich ehrte – trotz jahrelanger Ablehnung

Ein Vintage-Plakat für die Große Ausstellung der Schönen Künste auf der Weltausstellung der Schönen Künste in Dresden, Deutschland, 1904, mit auffälligem Text, der das Ereignis ankündigt.

Wie die DDR Joseph Beuys 1988 zögerlich ehrte – trotz jahrelanger Ablehnung

1988 richtete die DDR ihre erste und einzige Ausstellung mit Werken von Joseph Beuys aus – obwohl der Künstler jahrelang als "unerwünschte Person" galt. Die unter dem Titel Beuys vor Beuys geführte Schau war von Mitte Januar bis Mitte Mai an zwei Orten zu sehen: im Berliner Marstall und an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Es war ein seltener Moment, in dem die DDR einen Künstler würdigte, den ihre sozialistische Kulturpolitik lange ausgegrenzt hatte.

Jahrzehntelang hatten die DDR-Funktionäre Beuys als Bedrohung abgetan. Sein Ruf als gesellschaftlich engagierter Demokrat passte nicht zur Staatsideologie. Doch selbst nach seinem Tod 1986 blieb sein Einfluss in Künstlerkreisen spürbar. Nach Verhandlungen wurde schließlich die Ausstellung Beuys vor Beuys realisiert, die auf Leihgaben aus der Sammlung van der Grinten zurückgriff.

Gezeigt wurden 216 Werke aus den Jahren 1946 bis 1966. Doch die Organisatoren mieden sorgfältig jeden Hinweis auf Beuys' späteres politisches Engagement oder seine demokratischen Werte. Manfred Wekwerth, Präsident der Akademie der Künste, schrieb sogar an das ZK der SED, um die Bedeutung des Künstlers zu betonen – allerdings nur innerhalb strikt kontrollierter Grenzen.

Es gibt keine Aufzeichnungen darüber, wie die Kunstpolitik der DDR diese Ausstellung im Vergleich zur Rezeption Beuys' in Westdeutschland prägte. Deutlich wurde jedoch der Wille des Staates, sein frühes Schaffen von seinem umstrittenen Erbe zu trennen.

Die Ausstellung von 1988 bot einen seltenen Einblick in Beuys' Werk in der DDR – allerdings unter strengen Auflagen. Seine frühen Stücke wurden gezeigt, doch sein Wirken als provokanter Denker wurde ausgeblendet. Die Schau spiegelte sowohl die widerwillige Anerkennung seines künstlerischen Gewichts als auch die Weigerung wider, sich mit seinen herausfordernden Ideen auseinanderzusetzen.

Quelle