12 March 2026, 08:04

Wie die Nachbarschaftshilfe Älteren und Pflegebedürftigen den Alltag erleichtert

Eine Gruppe von Menschen, darunter einige im Rollstuhl, geht eine Kopfsteinpflasterstraße in der Altstadt von Heidelberg entlang, mit Bäumen, Gebäuden, Laternen und einer Statue im Hintergrund unter einem bewölkten Himmel.

Nachbarschaftshilfe wächst in Sachsen-Anhalt - Wie die Nachbarschaftshilfe Älteren und Pflegebedürftigen den Alltag erleichtert

Ein wachsendes Netzwerk aus Ehrenamtlichen hilft älteren und pflegebedürftigen Menschen in ganz Deutschland, verbunden und selbstständig zu bleiben. Unter dem Namen Nachbarschaftshilfe vermittelt die Initiative geschulte Helferinnen und Helfer an Bedürftige – doch viele Berechtigte nutzen das Angebot nach wie vor nicht. Vorurteile und mangelnde Bekanntheit führen dazu, dass Tausende auf Unterstützung verzichten, obwohl die Nachfrage seit dem Projektstart 2023 stark angestiegen ist.

Alleiner in Sachsen-Anhalt haben über 4.000 Freiwillige eine Schulung zum Nachbarschaftshelfer absolviert. Die Helfer – zu 70 Prozent Frauen, oft Rentnerinnen – unterstützen beim Einkaufen, bei Besorgungen oder begleiten zu Terminen. Kerstin Kränzel, eine 60-jährige Ehrenamtliche aus Speyer, geht mittlerweile wöchentlich mit einer älteren Dame einkaufen, um sie sozial einzubinden. Kränzel führt ihre Motivation auf ihre Kindheit in den eng verbundenen Wohngemeinschaften der DDR zurück, wo Nachbarn sich gegenseitig selbstverständlich halfen.

Das Modell basiert auf § 45 SGB XI und ermöglicht es den Helfern, bis zu 131 Euro monatlich über die Pflegeversicherung zu verdienen. Dennoch ist die Inanspruchnahme ungleich verteilt. In Speyer standen im August 2025 fast 30 Menschen auf einer Warteliste, während Städte wie Weiherhammer (Bayern) oder Berlin ähnliche Projekte betreiben. Eine bundesweite Datenbank zur Erfassung der Teilnahme gibt es nicht – die genauen Auswirkungen der Initiative bleiben daher unklar.

Seit dem Start 2023 ist die Zahl der Nutzer von 299 auf 1.814 gestiegen. Für dieses Jahr sind 97 Schulungen geplant, um das Netzwerk weiter auszubauen. Dennoch zögern viele Anspruchsberechtigte, sich zu melden – aus Scham oder falschen Vorstellungen über das Annehmen von Hilfe.

Die Nachbarschaftshilfe wächst zwar stetig, und Tausende Ehrenamtliche erleichtern pflegebedürftigen und älteren Menschen den Alltag. Doch Hindernisse wie Stigmatisierung und lückenhafte Datenerfassung schränken ihr Potenzial ein. Ohne größere Bekanntheit könnten auch über 2025 hinaus viele, die Unterstützung bräuchten, leer ausgehen.

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