19 March 2026, 22:05

99 Haftstrafen in Sachsen-Anhalt: Warum Schwarzfahren so hart bestraft wird

Plakat, das eine Hinrichtungsszene in Preußen zeigt, mit zwei Männern, die ein Rad über einen liegenden Mann halten, umgeben von einem Zaun und Gebäuden, mit Text oben und unten.

99 Haftstrafen in Sachsen-Anhalt: Warum Schwarzfahren so hart bestraft wird

In Sachsen-Anhalt sind in den vergangenen fünf Jahren 99 Menschen wegen wiederholter Fahrpreishinterziehung ins Gefängnis gekommen. Darunter befanden sich auch 16 Jugendliche. Die Zahlen haben eine Debatte über eine Reform des Systems ausgelöst. Kritiker werfen der aktuellen Praxis vor, besonders schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen unverhältnismäßig hart zu treffen.

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Zwischen 2021 und 2025 verhängten Gerichte in Sachsen-Anhalt 99 Haftstrafen wegen mehrfacher Beförderungserschleichung. Weitere 1.739 Personen erhielten Geldstrafen, 87 wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt. Unter den Inhaftierten waren 16 Minderjährige.

Die Strafen stoßen vor allem bei der Linken auf scharfe Kritik. Die Partei bezeichnet sie als überzogen und überholt. Ihrer Ansicht nach belastet die Kriminalisierung von Schwarzfahrten unnötig Polizei, Justiz und Steuerzahler. Jeder Inhaftierte koste den Staat etwa 150 Euro pro Tag – eine zusätzliche finanzielle Belastung.

Befürworter einer Entkriminalisierung verweisen darauf, dass besonders vulnerable Gruppen – etwa Obdachlose, Arme oder Suchtkranke – von den aktuellen Regelungen betroffen sind. Die Linke setzt sich nun dafür ein, Fahrpreishinterziehung künftig als Ordnungswidrigkeit statt als Straftat zu behandeln, um die Gefahr von Haftstrafen für Bagatelldelikte zu verringern.

Würde Schwarzfahren entkriminalisiert, entfielen Gefängnisstrafen – eine Entlastung für das Justizsystem. Gleichzeitig könnten so schutzbedürftige Menschen vor harten Konsequenzen für geringfügige Verstöße im Öffentlichen Nahverkehr bewahrt werden. Sachsen-Anhalt ist bisher das einzige Bundesland, das solche Fallzahlen öffentlich zugänglich macht, und rückt damit in den Fokus der Reformdiskussion.

Quelle