29 June 2026, 18:13

Bachmann-Preis 2024: Provokation, Protest und ein spektakulärer Abgang in Klagenfurt

Frontal Gegenüberstellung zu Allem

Bachmann-Preis 2024: Provokation, Protest und ein spektakulärer Abgang in Klagenfurt

Der Bachmann-Preis in Klagenfurt sorgt erneut für Diskussionen – mit mutigen Lesungen und scharfer Kritik

Der diesjährige Bachmann-Preis in Klagenfurt hat wieder für Furore gesorgt: mit provokanten Texten, pointierten Urteilen und einem spektakulären Abgang einer Autorin. Die rein weiblich besetzte Jury zeichnete vor allem Werke aus, die sich mit Klasse, Sprache und göttlicher Verantwortung auseinandersetzen.

Eröffnet wurde das Festival mit Ingeborg Bachmanns Hörspiel Der gute Gott von Manhattan, in dem Gott selbst auf der Anklagebank sitzt. Der Richter wirft ihm Vernachlässigung vor – doch der Entkommene geht straffrei aus, weil er einfach die Wahrheit sagt.

Slata Roschal lieferte eine schonungslose Abrechnung mit dem Literaturbetrieb: Sie geißelte schlecht bezahlte Stipendien und die mageren Gewinnspannen der Branche. Ihr Text, oberflächlich eine Reflexion über Prekariat, zielte in Wahrheit auf die abgeschottete Welt der Literatur. Nach ihrer Lesung kündigte sie an, sofort zu gehen – eine Konfrontation mit der Jury lehnte sie ab.

Die siebenköpfige Frauenjury lobte viele Beiträge für ihre schonungslosen Schilderungen des Arbeiteralltags. Einige Texte nannte sie „wunderbar proletarisch“ und würdigte die erfinderischen Ideen und prägnanten Sätze. Ein wiederkehrendes Motiv war der „Fleck“ – Symbol für die Fragilität prekärer Lebensumstände.

Mehrere Autor:innen wurden für ihre Werke ausgezeichnet: Ozan Zakariya Keskinkılıç erhielt den Deutschlandfunk-Preis für Vater ohne Sohn, Kinga Tóth überzeugte mit sprachlicher Schärfe und polyphonem Stil und gewann den KELAG-Preis. Der mit 30.000 Euro dotierte Hauptpreis sowie der Publikumspreis gingen an Schaette für Was wir tragen.

Das Festival spiegelte die wirtschaftlichen Kämpfe in Literatur und Gesellschaft wider. Gleich mehrere Preise gingen an Texte, die Klasse, Sprache und existenzielle Fragen behandelten. Am Ende blieb eine Mischung aus Feierstimmung und Kontroverse – und ein nachhaltiger Eindruck bei den Besucher:innen.

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