Deutsche Industrie im Aufbruch: Warum die Angst vor Deindustrialisierung übertrieben ist
Maximilian SchmidtDeutsche Industrie im Aufbruch: Warum die Angst vor Deindustrialisierung übertrieben ist
Deutsche Industrie im Wandel – doch die Angst vor Deindustrialisierung ist übertrieben
Die deutsche Industrie verändert sich rasant, doch die Befürchtungen einer Deindustrialisierung könnten übertrieben sein. Eine neue Studie zeigt, dass sich die meisten Produktionszweige mittlerweile auf wachstumsstarke Produkte konzentrieren. Forscher betonen, dass kluge Politik – und nicht Protektionismus – die industrielle Zukunft des Landes sichern wird.
In den vergangenen fünf Jahren stammten 76 Prozent der deutschen Industrieproduktion aus Branchen mit steigender Nachfrage. Selbst traditionelle Sektoren wie die Metallverarbeitung oder die Chemieindustrie setzen zunehmend auf dynamische Teilmärkte. Die Pharmabranche verzeichnete etwa im Jahr 2025 ein Produktionsplus von 4,5 Prozent und einen Umsatzanstieg von 5,5 Prozent, wobei über 60 Prozent der Erlöse aus Exporten stammten. Die USA blieben mit einem Anteil von 25 Prozent (2024) der wichtigste Abnehmer deutscher Pharmazeutika, während aufstrebende Märkte in Afrika, dem Nahen Osten und Lateinamerika um mehr als 10 Prozent wuchsen.
Auch die Halbleiterindustrie profitiert vom globalen KI-Boom. Zwar liegen detaillierte Handelsdaten nur begrenzt vor, doch der Sektor trug 2025 schätzungsweise ein Drittel des weltweiten Handelswachstums bei. Wichtige Absatzmärkte sind Japan und die ASEAN-Staaten. Dennoch läuft nicht jede Branche gleich gut: Die Autoindustrie steht unter starkem Wettbewerbsdruck, und die Pkw-Exporte nach China haben sich in den letzten Jahren halbiert.
Experten wie Oliver Falck vom ifo Institut sehen zwar positive Entwicklungen, warnen jedoch, dass der Wandel hin zu wachstumsorientierten Produkten noch nicht abgeschlossen ist. Angesichts einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung seien nun innovationsfreundliche Rahmenbedingungen entscheidend. Ein möglicher Lösungsansatz könnte darin bestehen, Produkte in Deutschland zu entwickeln, die Fertigung aber ins Ausland zu verlagern.
Die Studie fordert die Politik auf, Innovation zu fördern statt veraltete Strukturen zu verteidigen. Ohne gezielte Reformen droht Deutschland in Schlüsselbranchen den Anschluss zu verlieren. Der Fokus muss nun darauf liegen, die langfristige Wettbewerbsfähigkeit in einem sich wandelnden globalen Markt zu sichern.






