"Energyfish": Schwimmende Mini-Turbinen sollen den Rhein zur Stromquelle machen
Hannah Hofmann"Energyfish": Schwimmende Mini-Turbinen sollen den Rhein zur Stromquelle machen
Energyminer hat eine kleine schwimmende Strömungsturbine namens „Energyfish“ entwickelt. Das Gerät soll Flüsse zur Stromerzeugung nutzen, ohne Fische zu gefährden oder aufwendige Baumaßnahmen zu erfordern. Derzeit entsteht am Rhein eine große Anlage dieser Art.
Jede Energyfish-Einheit ist etwa 2,8 Meter lang, 2,4 Meter breit und 1,4 Meter hoch. Sie wiegt rund 80 Kilogramm und kann bis zu 6 Kilowatt Leistung erzeugen. Laut Hersteller erzeugt eine einzelne Einheit jährlich etwa 15 Megawattstunden, während ein Schwarm von 100 Turbinen rund 1,5 Gigawattstunden pro Jahr liefern könnte.
Die Turbine kann bei starker Strömung absinken, um Treibgut zu umgehen und Fischverletzungen zu vermeiden. Sie wird im Fluss verankert und leitet den Strom ohne Staudämme, Beton oder schwere Bauarbeiten an Land. Energyminer gibt an, dass nach Genehmigung zehn Einheiten in etwa drei Tagen installiert werden können.
In Sankt Goar am Rhein werden derzeit 124 Energyfish-Turbinen zu einem ersten großflächigen Schwarmkraftwerk dieser Art zusammengeschlossen. Das Unternehmen strebt eine durchgehende Grundlastversorgung an – rund um die Uhr, bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit. Die Anlage soll hochwasserresistent sein und nur geringen Wartungsaufwand erfordern. Die stromgestehenden Kosten werden mit etwa 0,08 Euro pro Kilowattstunde angegeben, bei einer erwarteten durchschnittlichen Jahresrendite von mindestens 8 Prozent über 20 Jahre.
Obwohl die Hardware existiert und Projekte konkret geplant sind, bleibt die Behauptung, damit flächendeckend günstige Grundlastenergie erzeugen zu können, öffentlich noch unbewiesen. Die Technologie ist real, doch ihre langfristige Leistung und Wirtschaftlichkeit müssen sich erst in der Praxis bewähren – etwa im Vergleich zu anderen Energielösungen.
Die Installation in Sankt Goar markiert einen wichtigen Schritt für die Flussturbinen von Energyminer. Investoren und Entscheidungsträger sollten das Potenzial der Technologie anerkennen, gleichzeitig aber weitere Belege für Kosten und Zuverlässigkeit abwarten. Das erste Schwarmkraftwerk wird nun Echtdaten liefern, um die Unternehmensangaben zu überprüfen.
