Fußball-WM 2026: Wie Patriotismus die deutsche Gesellschaft spaltet
Alle vier Jahre entfacht die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland eine Welle des Patriotismus. Händler wie Lidl und Aldi füllen ihre Regale mit Fanartikeln, während die Nationalfarben im ganzen Land sichtbar werden. Eine aktuelle Arte-Dokumentation untersucht, wie dieser fußballgetriebene Nationalstolz ungewollte Folgen haben könnte.
2006 erlebte Deutschland während der WM sein „Sommermärchen“ – eine Zeit weit verbreiteter Feiern nationaler Identität. Laut der Dokumentation könnte dieser Patriotismus-Schub indirekt den Aufstieg rechtspopulistischer Bewegungen wie Pegida und der AfD befördert haben. Die linksliberale Elite in Deutschland reagiert auf solche offenen Nationalismusbekundungen oft mit Unbehagen.
Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel mied in ihren Reden Begriffe wie „Vaterland“ oder „deutsches Volk“. Bei der Wahlparty 2013 konfiszierte sie sogar eine deutsche Fahne, die ihr Parteikollege Hermann Gröhe schwang. Gleichzeitig nutzen viele Bürgerinnen und Bürger, wie mein jüngster Sohn, die Gelegenheit, um vor Turnieren ihre Autos mit Flaggen zu schmücken.
Für manche bleibt Fußball eine der seltenen Gelegenheiten, nationale Identität auszudrücken. Andere, wie ich, schalten nur bei wichtigen Spielen der Nationalmannschaft ein.
Die Dokumentation zeigt eine Spannung in der deutschen Gesellschaft auf: Fußballpatriotismus schafft vorübergehende Einheit, wirft aber auch Fragen nach seinen langfristigen Auswirkungen auf. Die Debatte über nationalen Stolz und seine Ausdrucksformen prägt weiterhin den öffentlichen Diskurs.






