Genarín in León: Wo Karwoche auf rauschendes Trinkfest trifft
Jeden Gründonnerstagabend in León wird die feierliche Stimmung der Karwoche vom lauten Treiben des Genarín unterbrochen
Jährlich strömen Tausende in die Innenstadt der spanischen Stadt León, um an einer rauschenden Tradition teilzuhaben, die Trinken, Poesie und einen skurrilen Umzug vereint – eine Hommage an eine lokale Legende aus den 1920er-Jahren. Was einst als kleine Versammlung begann, ist heute eine der belebtesten – und umstrittensten – Nächte des Jahres.
Die Tradition geht auf Genaro Blanco zurück, einen bekannten Bewohner Leóns, der das Trinken liebte und 1929 nach einem Unfall mit einem Müllwagen ums Leben kam. Seine Geschichte inspirierte eine respektlose Feier, die nur wenige Stunden nach den feierlichen Karwochenprozessionen der Stadt beginnt. Die Teilnehmer tragen eine Figur Blancos auf einer Bahre mit sich – begleitet von einem Fass Orujo, einem kräftigen Branntwein, der großzügig an die Menge verteilt wird.
Der Umzug folgt denselben Straßen, die noch am selben Tag von den offiziellen religiösen Prozessionen genutzt wurden. Doch statt Andacht herrscht hier Gelächter, Lyrik und Spott. Ein Höhepunkt ist La Moncha, ein Wagen mit einer Frau, die bei Fackelschein aus einer riesigen Zeitung vorliest – eine Anspielung darauf, wie Blancos Leichnam einst gefunden wurde. Tausende Liter Alkohol fließen, und Besucher aus Asturien, Galicien und Kantabrien pilgern nach León, um mitzufeiern.
Hotels sind monatelang im Voraus ausgebucht, und lokale Unternehmen zählen auf den Genarín als eine ihrer umsatzstärksten Nächte. Doch trotz seiner Beliebtheit spaltet das Fest die Stadt: Die einen lieben sein chaotisches Lebensgefühl, die anderen empfinden es als störenden Kontrast zur besinnlichen Karwoche. Viele, die bis tief in die Nacht feiern, besuchen am nächsten Morgen dennoch den Encuentro, ein traditionelles religiöses Treffen.
Der Genarín hat sich längst von seinen bescheidenen Anfängen entfernt und verwandelt eine sonst ruhige Karwochennacht in ein großes kulturelles Ereignis. Die Mischung aus Alkohol, Poesie und schwarzem Humor macht ihn zu einer prägenden – und polarisierenden – Tradition Leóns. Jahr für Jahr lockt er mehr Besucher an und festigt so seinen Platz im Kalender der Stadt.






