07 May 2026, 22:04

Historiker Möller warnt vor simplen Geschichtsvergleichen in der Politik

Diagramm auf Papier mit miteinander verbundenen Kreisen und Pfeilen, das die Ursachen des Ersten Weltkriegs veranschaulicht, begleitet von erklärendem Text.

Historiker Möller warnt vor simplen Geschichtsvergleichen in der Politik

Der deutsche Historiker Horst Möller hat sich zu der häufigen Verwendung historischer Vergleiche in aktuellen politischen Debatten geäußert. Seine Stellungnahme erfolgt zu einer Zeit, in der Magazine wie Stern und Der Spiegel weiterhin umstrittene Parallelen ziehen – etwa indem sie Donald Trump auf ihren Titelseiten mit nationalsozialistischer Symbolik darstellen. Möller warnt, dass solche Vergleiche komplexe historische Ereignisse oft vereinfachen.

Möller betont, dass historische Analogien in öffentlichen Diskussionen weit verbreitet sind. So wurde die deutsche Regierung bereits mit dem SED-Regime der DDR verglichen, Wladimir Putin mit Adolf Hitler gleichgesetzt und Kritiker der Corona-Maßnahmen als Widerstandskämpferin wie Sophie Scholl stilisiert. Doch seiner Ansicht nach erfassen diese Vergleiche nur selten die gesamte Komplexität der Geschichte.

Er verweist darauf, dass der Untergang der Weimarer Republik sich über zwölf Jahre hinzog, während sich die Herausforderungen der Bundesrepublik über 76 Jahre entwickelt haben. Der Niedergang der gemäßigteren Parteien in Deutschland vollzieht sich heute langsamer als in den 1920er- und 1930er-Jahren. Zudem stellt Möller klar, dass nicht jede europäische Demokratie nach dem Ersten Weltkrieg gescheitert ist – ein Beweis dafür, dass Krisen nicht zwangsläufig zu denselben Folgen führen.

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Der Historiker unterstreicht, dass historische Vergleiche erst gezogen werden sollten, wenn die Geschichtsprozesse abgeschlossen sind. Die Betrachtung einzelner Ereignisse – ohne Berücksichtigung langfristiger Auswirkungen – könne das Verständnis verzerren. Zwar sieht er gewisse Parallelen zwischen der Weimarer Zeit und dem heutigen Deutschland, doch lehnt er die Bezeichnung der AfD als „faschistische“ Partei ab, da es keine Belege für einen „Führerkult“ in ihren Reihen gebe.

Medien greifen immer wieder auf provokante Bildsprache zurück, um historische Bezüge herzustellen. So zeigte Stern kürzlich Trump in einer Nazi-Pose unter der Schlagzeile „Sein Kampf“ – eine offensichtliche Anspielung auf Hitlers „Mein Kampf". Auch Der Spiegel inszenierte Trump in extremen Darstellungen, etwa als Komet, der auf die Erde zurast, oder mit dem abgetrennten Kopf der Freiheitsstatue in der Hand.

Möllers Warnungen kommen zu einer Zeit, in der politische Rhetorik zunehmend auf historische Vergleiche setzt. Er mahnt zur Vorsicht und argumentiert, dass solche Gegenüberstellungen oft den Kontext und langfristige Entwicklungen außer Acht lassen. Seine Aussagen erinnern daran, dass Geschichte selten so einfach ist, wie Schlagzeilen suggerieren.

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