Machtkampf bei DocMorris: Investoren fordern CEO-Wechsel zu Ex-Celesio-Chef Oesterle
Ella WagnerMachtkampf bei DocMorris: Investoren fordern CEO-Wechsel zu Ex-Celesio-Chef Oesterle
Bei DocMorris, Europas größter Versandapotheke, formiert sich ein Aktionärsaufstand. Investoren drängen darauf, CEO Walter Oberhänsli abzulösen und durch Dr. Fritz Oesterle zu ersetzen, den ehemaligen Chef des Pharmagroßhändlers Celesio. Der Vorstoß erfolgt zu einer Zeit, in der der Sektor mit wachsendem Wettbewerb und regulatorischen Herausforderungen konfrontiert ist, die seine Zukunft prägen.
Oesterles Verbindung zu DocMorris reicht bis ins Jahr 2007 zurück, als er das Unternehmen während seiner Zeit bei Celesio übernahm. Seine Strategie basierte auf der Liberalisierung des Apothekenbesitzes – ein Plan, der 2009 durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs durchkreuzt wurde. Das Gericht verbot die externe Eigentümerschaft von Apotheken und zwang Celesio, seine Expansionspläne aufzugeben.
Nach seinem Ausscheiden bei Celesio 2011 übernahm Oesterle Aufsichtsratsmandate, vor allem in der Bankenbranche und bei Unternehmen in Baden-Württemberg. Später holte ihn die aufstrebende Schwarz-Gruppe, ein wichtiger Akteur im Apothekensektor, als Treuhänder an Bord. Seine Expertise liegt jedoch eher im klassischen Großhandel und stationären Filialnetzen als in der digitalen Gesundheitsinnovation.
Der aktuelle Führungswechsel bei DocMorris betrifft nicht Walter Hess, den zweiten Vorstandsvorsitzenden, was darauf hindeutet, dass er im Amt bleiben könnte. Unterdessen wechselt Max Müller, ein ehemaliger Lobbyist Oesterles, in den Aufsichtsrat des Konkurrenten Redcare – ein Schritt, der in der Branche Fragen nach möglichen Verflechtungen aufwirft. Hinter Oesterles Kandidatur steht der Investor Ceplion, der DocMorris zu einer führenden "Gesundheitsversorgung auf Knopfdruck"-Plattform in ganz Europa ausbauen will.
Der Vorstoß fällt in eine Phase des Umbruchs im Versandapothekenmarkt. Neue Anbieter wie die Drogeriekette dm drängen in den Sektor und verschärfen den Wettbewerb für die etablierten Player. Sollte der Führungswechsel gelingen, könnte Oesterle DocMorris neu positionieren. Das Unternehmen stünde dann vor der Herausforderung, sich in einem rasant wandelnden Markt zu behaupten – im Wettbewerb mit digitalen Start-ups und Einzelhandelsriesen gleichermaßen. Ceplions Vision zielt darauf ab, das Unternehmen zu einem schlanken, europaweit agierenden Gesundheitsdienstleister umzubauen.






