Mehr als die Hälfte aller Krankenhausfälle wäre ambulant behandelbar – doch Reformen stocken
Ella WagnerMehr als die Hälfte aller Krankenhausfälle wäre ambulant behandelbar – doch Reformen stocken
Eine neue Analyse zeigt: Mehr als die Hälfte der Krankenhausfälle in Deutschland könnte außerhalb stationärer Abteilungen behandelt werden. Die Ergebnisse deuten auf erhebliche Einsparpotenziale hin – besonders in Bundesländern wie Sachsen-Anhalt. Gleichzeitig belasten steigende Ausgaben durch mehr Pflegepersonal und Finanzierungsstreitigkeiten die Haushalte der Krankenkassen.
Seit 2020 dürfen Krankenhäuser den Krankenkassen sämtliche Mehrkosten für zusätzliches Pflegepersonal in Rechnung stellen. Diese Regelung führte zwar zu einem deutlichen Personalaufwuchs, trieb aber auch die Ausgaben in die Höhe. Nun übersteigen die Forderungen der Kliniken das für 2025 gesetzte Ziel um 12 Prozent – eine Debatte über die Deckelung des Pflegebudgets ist entbrannt.
In allen 16 Bundesländern belegen die Daten, dass 53 bis 58 Prozent der aktuellen stationären Fälle ambulant behandelt oder ganz vermieden werden könnten. In Sachsen-Anhalt liegt der Anteil bei 57 Prozent, mit dem größten Potenzial in der Allgemeinen Inneren Medizin (58 Prozent der Fälle) und der Allgemeinchirurgie (63 Prozent). Eine Verlagerung dieser Fälle könnte die Belegungstage um 42 Prozent reduzieren und die Gesamtausgaben um 40 Prozent senken.
Trotz der offensichtlichen finanziellen Vorteile ambulanter Versorgung bremsen Reformen wie die Bereitschaftspauschale und das Pflegebudget 2020 die Umsetzung aus. Fachleute fordern, das aktuelle Finanzierungssystem an die tatsächlichen Versorgungsbedürfnisse anzupassen, um die Effizienz zu steigern.
Die Studie unterstreicht die finanzielle Belastung des deutschen Gesundheitssystems durch steigende stationäre Kosten. Eine stärkere Verlagerung in den ambulanten Bereich könnte Entlastung bringen – doch dafür sind politische Weichenstellungen nötig. Ohne Reformen drohen Krankenhäusern und Kassen weiterhin Haushaltsprobleme, während mögliche Einsparungen ungenutzt bleiben.






