Migrationsforscher Knaus zerpflückt Deutschlands umstrittene Grenzkontrollen gegen Asylsuchende
Hannah HofmannMigrationsforscher Knaus zerpflückt Deutschlands umstrittene Grenzkontrollen gegen Asylsuchende
Migrationsforscher Gerald Knaus kritisiert Deutschlands jüngste Zurückweisungspraxis an den Binnengrenzen. Die vor einem Jahr von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt eingeführte Maßnahme richtet sich gegen Asylsuchende, die aus Österreich, Polen und der Schweiz einreisen. Knaus argumentiert, dass die Politik trotz beträchtlichen Aufwands keine nennenswerten Ergebnisse gebracht habe.
Ursprünglich war die Forderung nach solchen Zurückweisungen 2015 allein von der rechtspopulistischen AfD erhoben worden. Knaus wirft der Regelung vor, gegen EU-Recht zu verstoßen und langfristig nicht tragfähig zu sein. Zudem kritisiert er, dass die Bundesregierung symbolische Gesten über wirksame Lösungen stelle.
Die Zahl der Asylanträge in Deutschland ist seit 2024 stark zurückgegangen. Knaus führt diesen Rückgang vor allem auf politische Veränderungen in Syrien zurück, insbesondere den Sturz von Baschar al-Assad im Dezember 2024. Vor diesem Zeitpunkt hatten 80 Prozent der Syrier, die in der EU Schutz erhielten, sich in Deutschland oder Österreich niedergelassen.
Nun spüren beide Länder die Auswirkungen des Rückgangs besonders deutlich. Knaus zufolge haben die Zurückweisungen wenig dazu beigetragen, die grundlegenden Herausforderungen der Migrationssteuerung zu bewältigen. Die Wirkung der Maßnahme bleibe begrenzt, so der Forscher. Zwar gingen die Asylanträge zurück, doch Deutschland und Österreich stünden weiterhin unter Migrationsdruck. Die Debatte über Grenzkontrollen und die Einhaltung des EU-Rechts werde voraussichtlich anhalten.






