25 March 2026, 10:05

Royal-Mail-Chef Kretinsky gerät bei Anhörung unter massiven Druck

Ein Mann im Anzug und Krawatte sitzt an einem Tisch mit einem Mikrofon, umgeben von Flaschen, einem Glas, einer Namensschilder und anderen Gegenständen, mit Flaggen im Hintergrund.

Royal-Mail-Chef Kretinsky gerät bei Anhörung unter massiven Druck

Der milliardenschwere Eigentümer der Royal Mail, Daniel Kretinsky, sah sich bei einer jüngsten Parlamentsanhörung scharfer Kritik von Abgeordneten ausgesetzt. Bekannt als der "Tschechische Sphinx", wurde seine sonst so gelassene Art auf eine harte Probe gestellt, als ihm die Abgeordneten vorwarfen, mit irreführenden Aussagen zur Performance des Unternehmens die Öffentlichkeit getäuscht zu haben. Seit seiner 3,6-Milliarden-Pfund-Übernahme im April 2023 haben sich die Verzögerungen bei der Briefzustellung deutlich verschärft.

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Kretinsky verteidigte seine Führung und beteuerte, er habe die Royal Mail wegen der Herausforderung und nicht aus Profitinteresse übernommen. Er räumte ein, der Service befinde sich "nicht dort, wo wir ihn haben wollen", argumentierte jedoch, kein anderer europäischer Postdienst stehe vor derart strengen Zustellvorgaben. Als Beispiel verwies er auf den Versand eines Briefs von Brighton nach Schottland für nur 1,70 Pfund – eine logistische Herausforderung angesichts der modernen Anforderungen an die Post.

Die Pünktlichkeitsstatistiken zeichnen ein düsteres Bild: Im Geschäftsjahr 2022/23 trafen noch 89,5 Prozent der Briefe rechtzeitig ein, doch sank diese Quote auf 82,3 Prozent in 2023/24 und weiter auf 79,9 Prozent in 2024/25. Vor der Pandemie lag die Rate bei 93,7 Prozent. Allein im vergangenen Jahr wurden 220 Millionen Briefe verspätet zugestellt – ein klarer Widerspruch zu Kretinskys Behauptung, die Leistung habe sich unter seiner Führung nicht verschlechtert.

Die Abgeordneten zeigten sich zunehmend verärgert, einige drohten sogar, ihn in künftigen Anhörungen unter Eid zu stellen. Ein Abgeordneter verglich seinen unerbittlichen Sparkurs mit einem Jack-Russell-Terrier namens Charlie aus Gloucestershire, der dafür berüchtigt ist, Postfahrzeuge zu jagen. Trotz des Drucks bewahrte Kretinsky während der gesamten Sitzung die Fassung.

Die Anhörung weckte auch Assoziationen zum Komiker-Legende Peter Sellers – mit dem Hinweis, der Schauspieler hätte Kretinskys rätselhafte Persönlichkeit perfekt verkörpert. Doch selbst sein Spitzname, der "Tschechische Sphinx", vermochte es nicht, die ganze Komplexität seines Umgangs mit dem kränkelnden Postdienst einzufangen.

Die Sitzung endete mit einem unbeugsamen Kretinsky, doch die Zukunft der Royal Mail bleibt ungewiss. Die Zustellverzögerungen nehmen weiter zu, und die Abgeordneten haben signalisiert, dass sie auf strengere Rechenschaftspflicht drängen werden. Vorerst steht die Leistung des Unternehmens weiter auf dem Prüfstand – ohne Anzeichen für eine baldige Besserung.

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