Wie Lale in den 1980ern zwischen Drogen, Missbrauch und staatlichem Versagen überlebte
Ella WagnerWie Lale in den 1980ern zwischen Drogen, Missbrauch und staatlichem Versagen überlebte
Mit beiden Händen den Himmel stützen – ein neues Buch erzählt die erschütternde Kindheit von Lale, einem Mädchen, das in den 1980er-Jahren in einer Berliner Männer-WG aufwuchs. Ihre Geschichte beginnt mit Vernachlässigung und Misshandlung, eingebettet in eine Zeit des Umbruchs in Westdeutschland. Die Leser begleiten ihren Weg mit Hoffnung, sehnsüchtig nach einem Lichtblick angesichts unerbittlicher Entbehrungen.
Lales frühes Leben ist geprägt von Instabilität und Gefahr. Als Tochter einer heroinabhängigen Mutter und eines Kleinkriminellen, der mit der APO-Bewegung in Verbindung stand, kommt sie bereits mit achtzehn Monaten in staatliche Obhut, nachdem sie Rohypnol-Tabletten verschluckt hat, die in ihrer Reichweite lagen. Die Sucht der Mutter und die Abwesenheit des Vaters legen den Grundstein für eine Kindheit ohne Sicherheit.
Zurück zu ihrer Mutter gegeben, wächst Lale in einer Berliner Kommune auf, in der Drogen allgegenwärtig sind. Sie erleidet sexuellen Missbrauch durch einen Mitbewohner, ihr Leid bleibt selbst vor ihrem Vater verborgen, als dieser später einzieht. Die Kommune, die ein Zuhause sein sollte, wird zu einem Ort unausgesprochener Bedrohungen.
Für eine Weile bietet die Schule Lale einen sicheren Hafen. Doch mit dem Eintritt in die Pubertät bricht ihre Welt erneut zusammen. Sucht und toxische Freundschaften ziehen sie in einen Abwärtsstrudel, der das Chaos ihrer Umgebung widerspiegelt. Das Buch zeichnet diese Kämpfe nach und zeigt, wie systemische Versäumnisse und persönliche Traumata ihr junges Leben prägen.
Die 1980er-Jahre in Westdeutschland waren eine Zeit des politischen und gesellschaftlichen Wandels. Unter den Kanzlern Willy Brandt, Helmut Schmidt und später Helmut Kohl rang das Land mit Wirtschaftskrisen, atomarer Bedrohung und dem Ende der sozialliberalen Ära. Doch Lales Geschichte bleibt zutiefst persönlich, unberührt von den großen Reformen ihrer Zeit.
Mit beiden Händen den Himmel stützen legt schonungslos die Folgen von Vernachlässigung in einer sich rasant wandelnden Gesellschaft offen. Lales Erlebnisse – von der staatlichen Fürsorge bis zu den verborgenen Schrecken der Kommune – verdeutlichen die Lücken, die schutzbedürftige Kinder im Stich ließen. Das Buch hinterlässt die Leser mit dem Gewicht ihrer Vergangenheit und der Ungewissheit ihres weiteren Weges.






