AfD zerrissen: Machtkampf um Russland-Kurs und US-Truppen spaltet die Partei
Hannah HofmannAfD zerrissen: Machtkampf um Russland-Kurs und US-Truppen spaltet die Partei
Ein erbitterter Streit über die Außenpolitik erschüttert die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD). Die Spaltungen vertiefen sich zwischen Mitgliedern, die sich für westliche Bündnisse aussprechen, und solchen, die engere Beziehungen zu Russland fordern. Der Konflikt hat lang schwelende Spannungen innerhalb der Partei offenbart – einige warnen mittlerweile vor einer möglichen Spaltung.
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht die Frage des US-Militärpräsenz in Deutschland. Die Forderung des Parteico-Vorsitzenden Tino Chrupalla nach einem Abzug der amerikanischen Truppen hat unter den westlich orientierten Flügeln Empörung ausgelöst, während andere den Schritt als notwendig für die deutsche Souveränität verteidigen.
Die öffentliche Zerrissenheit wurde deutlich, nachdem Chrupalla den Abzug der US-Streitkräfte gefordert hatte – eine Position, die sofort auf Widerstand stieß. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah widersprach der Forderung offen und betonte, Deutschland brauche "starke Partner" wie die USA. Seine Äußerungen unterstrichen die wachsende Kluft zwischen Befürwortern der transatlantischen Zusammenarbeit und jenen, die den amerikanischen Einfluss skeptisch sehen.
Rüdiger Lucassen, der verteidigungspolitische Sprecher der Partei, gerät zunehmend unter Beschuss durch den prorussischen Flügel um Björn Höcke. Lucassen, ein entschiedener Unterstützer der NATO und der westlichen Sicherheitsarchitektur, hat Russland wiederholt als Hauptbedrohung für Europas östliche Flanke bezeichnet. Seine Haltung macht ihn zum Ziel – Verbündete Höckes sollen angeblich darauf hinarbeiten, ihn von seinem Posten zu entfernen.
Die Kontroverse beschränkt sich nicht auf die Truppenziehungsdebatte. Bereits zuvor hatte Hannes Gnauck, ein weiterer Verteidigungsexperte der AfD, eine Pressemitteilung verfasst, in der er die USA im Konflikt mit dem Iran unterstützte. Doch die Erklärung wurde von Weidel und Chrupalla vor der Veröffentlichung blockiert. Der Vorfall zeigte, wie sehr sich die Parteiführung scheut, eine klare proamerikanische Position zu beziehen – was die atlantisch gesinnten Kräfte in der Partei weiter verärgert.
Zusätzliche Unruhe stiftet die Debatte um Martin Sellners "Remigrations"-Pläne, die zur politischen Hypothek geworden sind. Während einige AfD-Mitglieder eine explizite Distanzierung fordern, gelingt es der Führung nicht, sich glaubwürdig von Sellners Vorstellungen abzugrenzen. Kritiker werfen Weidel und Chrupalla vor, durch ihr Zögern, Sellners Ideen zu verurteilen, die Bemühungen der Partei um ein gemäßigtes Image zu untergraben.
Die Außenpolitik ist seit Gründung der AfD ein Zankapfel, mit Lagern, die zwischen prorussischen Sympathien und der Unterstützung westlicher Bündnisse gespalten sind. Die aktuelle Auseinandersetzung erinnert an frühere Konflikte, doch die Schärfe hat zugenommen, da Deutschlands geopolitische Position zunehmend unter die Lupe genommen wird. Umfragen deuten darauf hin, dass die AfD inmitten wirtschaftlicher Unsicherheit an Zuspruch gewinnt – doch die inneren Zerwürfnisse könnten diesen Aufschwung gefährden.
Nun steht die AfD vor einer entscheidenden Nagelprobe. Chrupallas Forderung nach einem Abzug der US-Truppen hat tiefe ideologische Gräben aufgerissen. Einige Mitglieder drohen mit einem Austritt, sollte die Partei ihren Kurs in Richtung Russland weiterverfolgen. Gleichzeitig bleiben prowestliche Stimmen wie Lucassen und Krah standhaft und pochen auf stärkere Bindungen an die NATO und die USA.
Wie die Parteispitze reagiert, könnte darüber entscheiden, ob die AfD zusammenhält oder an ihren Widersprüchen zerbricht. Vorerst zeigt der Streit keine Anzeichen einer Entspannung – die künftige Ausrichtung der Partei bleibt ungewiss.






