Prozess um versuchten Mord: War es Linksextremismus oder persönliche Rache?
Hannah HofmannProzess um versuchten Mord: War es Linksextremismus oder persönliche Rache?
Ein 23-jähriger Mann muss sich derzeit vor dem Landgericht Hechingen wegen versuchten Mordes im Zusammenhang mit linksextremistischen Motiven verantworten. Tobias K. gestand, im Oktober vergangenen Jahres in Leibertingen (Baden-Württemberg) Molotowcocktails geworfen zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, aus politischen Gründen gehandelt zu haben, während der Angeklagte andere Einflüsse als ausschlaggebend bezeichnet.
Der Vorfall begann, als Tobias K. ein Auto in Brand setzte, das dem Lebensgefährten von Michael K. gehörte – einem örtlichen Unternehmer und ehemaligen AfD-Politiker. Anschließend soll er einen weiteren Brandsatz auf ein nahe gelegenes Wohnhaus geworfen haben, in dem sich zum Zeitpunkt der Tat sechs schlafende Personen befanden.
Die Ermittler werfen ihm zudem vor, in derselben Nacht Polizeibeamte und Feuerwehrleute mit einem Molotowcocktail angegriffen zu haben. Vor Gericht räumte Tobias K. zwar ein, Mitglied der Linkspartei zu sein, bestritt jedoch, aktiv in extremistischen Strukturen tätig gewesen zu sein. Stattdessen nannte er Drogenkonsum und das Sehen von AfD-Parolen auf einem Fahrzeug als Gründe für sein Handeln.
Die Staatsschutzabteilung der Staatsanwaltschaft Stuttgart hält hingegen linksextremistische Motive für den Angriff für erwiesen. Ein Urteil im Prozess wird nun Mitte April erwartet.
Im Mittelpunkt des Verfahrens steht die Frage, ob Tobias K. aus politisch-extremistischer Überzeugung oder aufgrund persönlicher Umstände handelte. Sollte er schuldig gesprochen werden, hängt das Urteil maßgeblich von der Bewertung der Oktober-Angriffe ab. Der Prozess geht derweil weiter, während Anklage und Verteidigung ihre Plädoyers halten.






