03 April 2026, 06:05

EMAF zeigt umstrittenen Film trotz Antisemitismus-Vorwürfen gegen Künstlerin

Plakat für ein Münchner Festival mit einem Bild einer Frau mit Menschen und Bäumen und Text.

EMAF zeigt umstrittenen Film trotz Antisemitismus-Vorwürfen gegen Künstlerin

Das Europäische Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück hält an seinen Plänen fest, einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Larissa Al-Sharif zu zeigen. Die Entscheidung hat eine Kontroverse ausgelöst, da der Künstlerin aufgrund ihrer Social-Media-Beiträge antisemitische Tendenzen vorgeworfen werden. Trotz Kritik aus der Kommunalpolitik bleibt die Förderung des Festivals gesichert; die Veranstalter verteidigen ihre Auswahl als Teil einer breiteren Debatte über künstlerische Freiheit.

Der betroffene Film "Morning Circle" wird im Rahmen des diesjährigen Festivals gezeigt, das unter dem Motto "Eine unvollendete Versammlung" steht. Dieses Thema lotet das Spannungsfeld zwischen künstlerischem Ausdruck und Verantwortung aus. Zwar sieht sich das EMAF mit Rückschlägen konfrontiert, betont jedoch zugleich seine langjährige Zusammenarbeit mit palästinensischen Künstler:innen sowie die Einbindung jüdischer und israelischer Stimmen in früheren Programmen.

Lokale Verantwortliche, darunter die Osnabrücker Kulturdezernentin, äußerten Unbehagen über Al-Sharifs Teilnahme. Sie argumentieren, ihre mutmaßlichen Verbindungen zur BDS-Bewegung und umstrittene Online-Äußerungen könnten antisemitische Haltungen befördern. Die Dezernentin sprach sich dafür aus, dass das Festival auf solche Inhalte verzichten solle. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies distanzierte sich zwar von der Entscheidung, bekräftigte aber den Einsatz des Landes gegen Antisemitismus bei gleichzeitiger Unterstützung eines respektvollen Dialogs.

Die BDS-Bewegung, 2005 als gewaltfreie, palästinensisch geführte Kampagne gegründet, stößt international auf Resonanz, steht in Deutschland jedoch unter scharfer Kritik. Rechtliche und politische Maßnahmen – etwa Verbote öffentlicher Förderung für mit ihr assoziierte Gruppen – zielen auf ihre Aktivitäten ab. Dennoch verzeichnet die Bewegung Erfolge, wie den Druck auf Unternehmen wie Veolia, das durch Boykottkampagnen bis 2015 Schätzungen zufolge rund 20 Milliarden Dollar einbüßte.

Die Festivalleitung betont, die Kritik richte sich gegen Al-Sharifs politische Aussagen, nicht gegen ihr künstlerisches Werk. Sie ruft das Publikum dazu auf, die Mehrdeutigkeit ihrer Social-Media-Posts zu bedenken, die oft doppeldeutig formuliert seien. Die Landesregierung respektiert zwar die programmatische Autonomie des EMAF, wiederholt aber ihre Ablehnung von Antisemitismus und ihr Bekenntnis zu friedlichem Zusammenleben.

Die Vorstellung von "Morning Circle" findet wie geplant statt – ohne finanzielle Konsequenzen für das Festival. Die Entscheidung wirft grundsätzliche Fragen auf: Wo endet künstlerische Freiheit, wo beginnt Verantwortung? Beobachter:innen und Politiker:innen mahnen weiterhin zur Dialogbereitschaft, ohne spaltende Rhetorik zu billigen.

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